„Zum Leben gehört Sterben"

Menschen: Wechsel im Ambulanten Hospiz


Von Anke Wanger

„Bei aller Schwere der Situation heißt Sterben auch Leben mit allen Sinnen - bis zuletzt", davon ist Marianne Dörr überzeugt. Sie ist Krankenschwester, hat Validationskurse zum Umgang mit altersverwirrten Menschen und den Palliativ-Care-Kurs besucht. Sie liebt den pflegerischen Aspekt ihres Berufes ebenso wie den Austausch mit Patienten und Angehörigen. Anfang des Jahres ist Dörr jetzt vom ambulanten Hospiz auf die Palliativstation des Krankenhauses Hetzelstift gewechselt.

„Die Kommunikation mit Menschen ist mir ein persönliches Anliegen", beschreibt Dörr den grundsätzlichen Anspruch an ihre Arbeit. Daran hat sich auch nach ihrem Wechsel vom ambulanten Hospiz, dessen Mitarbeiter im vergangenen Jahr 120 Patienten begleitet haben, zur Palliativstation mit derzeit sechs Betten nichts geändert. Fünf Jahre war die gelernte Krankenschwester eine der beiden hauptamtlichen Fachkräfte des Hospizes mit Beratungsstelle in der Grainstraße.

Zuvor arbeitete die gebürtige Fränkin jahrelang in verschiedenen Fachabteilungen des Krankenhauses, auch in der chirurgischen Ambulanz und in Altenheimen. „Ich bin gewechselt, weil ich auch wieder aktiv mit der Pflege zu tun haben wollte", so die 49-Jährige, die sich vorgenommen hat, den Hospiz- und Palliativgedanken im Fach- und Patientenkreis weiter bekannt zu machen. Palliativstation und das Hospiz mit Dörrs Nachfolgerin, Katrin Leidner, arbeiten eng zusammen. „Zum Leben gehört Sterben. Das wird oft ausgegrenzt. Schwerkranke und ihre Angehörigen müssen aber offen über ihre Situation und das Sterben reden dürfen. Ich habe auf der Palliativstation mehr Zeit für den Menschen", sagt Dörr.

Die Patienten beruhigend und ausgleichend zu begleiten, körperliche Beschwerden zu lindern, Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme zu sichern, sei ein Aspekt. Der andere sei es, sich mit Gefühlen, Trauerarbeit und Fragen wie „Was passiert, während ich sterbe?" zu beschäftigen. Dafür sei die Zusammenarbeit von mehreren Berufsgruppen wie Seelsorgern, Psychologen, Hausärzten, ambulanten Pflegediensten und ambulantem Hospiz nötig, betont Dörr.

Um die oft große, emotionale Belastung durch den Umgang mit Sterbenden und Menschen in Ausnahmesituationen zu bewältigen, hilft Dörr ihr „ausgeglichenes Privatleben": „Die Familie mit unseren drei Kindern und Freunde tragen mich", sagt die Edenkobenerin. Außerdem fährt sie gern Rad, joggt, liest und „taucht gern mal ab" - ins kühle Nass.

Die nächste berufliche Herausforderung wartet auf Dörr in Form des neuen Programms der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV), das eine 24-Stunden-Bereitschaft qualifizierter Kräfte in Zusammenarbeit mit Hausärzten und ambulanten Pflegediensten umfasst. Ziel ist es letztlich, die palliative ambulante Versorgung zu verbessern und stationäre Aufenthalte in Krankenhäusern, stationären Hospizen oder Altenheimen zu vermeiden.

 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.66
Datum: Freitag, den 19. März 2010
Seite: Nr.14
"Deep-Link"-Referenznummer: '6088451'
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