Osteopathie

Geschichte

Osteopathie ist keine neue Wissenschaft, ihr Grundkonzept wurde bereits 1874 von dem amerikanischen Arzt Dr. Andrew Taylor Still entwickelt.

Wörtlich Übersetzt bedeutet Osteopathie „Knochenleiden”.
„Osteo” steht hier jedoch aus historischen Gründen stellvertretend für alle Arten von Gewebe, die von Osteopathen behandelt werden (Muskeln, Bänder, Gefäßsysteme, Nerven,etc.).

Bis Anfang dieses Jahrhunderts wurde Stills Konzept der Osteopathie in den cranialen ( v.a. Schädelsystem), und visceralen (innere Organe) Bereichen erweitert.

Vornehmlich in den USA, England, Frankreich und Belgien entwickelte sich die Osteopathie seit Beginn dieses Jahrhunderts ständig weiter. In der Folgezeit entstanden unterschiedliche Lehrphilosophien, deren verschiedene Standpunkte bis heute einen fruchtbaren Nährboden für dynamische Weiterentwicklung bieten.

Seit einigen Jahren verbreitet sich die Osteopathie verstärkt weltweit. Speziell in Nordamerika und Europa nimmt die Zahl der Osteopathen sprunghaft zu.
In Deutschland wird die Osteopathie seit 1988 berufsbegleitend unterrichtet und seit 1995 existiert ein eigenständiger Berufsverband für Osteopathen (VDO e.V).

Leben ist Bewegung

Für unser Auge meist nicht sichtbar herrscht in allen Teilen unseres Körpers ein ständiger Fluss an chemischen Wechselwirkungen und mechanischen Spannungen.

Zahllose lebende Systeme und deren komplexe Verknüpfungen bestimmen jeden Moment unseres Lebens. Wir nehmen nur einen Bruchteil dessen wahr, was an ständigen Bewegungen und Veränderungen in uns vor sich geht.

Wie jedes komplexe lebende System versucht auch der menschliche Organismus all diese Bewegungen und Veränderungen in einem Gleichgewicht zu halten. Dieses individuelle Gleichgewicht heißt Gesundheit.

Es liegt in der Natur des Lebens, dass dieses Gleichgewicht einmal mehr und einmal weniger erreicht werden kann, da wir vielen inneren und äußeren Einflüssen ausgesetzt sind. Selbstregulierungskräfte bewirken jedoch eine Stabilisierung in der Nähe des Gleichgewichts. Bei Verlust dieser Stabilität durch physische (Unfall, Haltung, Umwelt, etc.), psychische (Arbeit, Familie, etc.) und hygienische (Erkältung, Alkohol, Rauchen, etc.) Einflüsse können individuelle Störungen entstehen.

Mit seinen langjährig geschulten Händen versucht der Osteopath über die Gewebemobilität des Patienten die Ursachen der Störungen zu finden. Danach unterstützt er mit weichen und überwiegend mehr begleitenden als manipulierenden Techniken an den verschiedenen Geweben die Mobilität der dortigen Strukturen.

Ziel der Behandlung ist es, die Selbstregulierungskräfte des Patienten in den betroffenen Geweben freizusetzen. Nach osteopathischer Auffassung ist ein langfristig erfolgreiches Ergebnis nur zu erwarten, wenn der Organismus aus sich selbst heraus - über die Selbstheilungskräfte - die Ursachen der funktionellen Störungen behebt. Nach erfolgreicher Integration befindet sich der Organismus  wieder innerhalb seines Gleichgewichts, d.h. die sich bewegenden Systeme sind im Fließgleichgewichts und die zuvor gestörten Systeme funktionieren ihren Aufgaben entsprechend. Fazit: Der Osteopath heilt nicht. Er hilft bei der Selbstheilung!!!

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Behandlungsdauer. Osteopathen sind der Ansicht, dass eine langfristige Veränderung im Gewebe nur dann erreicht werden kann, wenn ihm Zeit zur eigenständigen Reaktion gegeben wird. Bei geduldiger und sanfter Vorgehensweise gibt man dem Gewebe eine maximale Chance, noch während der anschließenden Tage zurück in das verlorene Gleichgewicht zu finden.

Osteopathie ist somit keine „Hau-Ruck-Methode” und auf den ersten Blick bei weitem nicht so spektakulär wie beispielsweise die Chiropraktik, aber genau darin liegt die Stärke dieser Behandlungsmethode. Denn gerade bei funktionellen Störungen gilt:

Nicht der Impuls des Therapeuten ist entscheidend für die Heilung, sondern die Selbstregulierungskraft des Patienten.

Berufsbild

In Amerika, dem Ursprungsland der Osteopathie, wird die Ausbildung in einem Vollzeitstudium absolviert. Die Studenten schließen mit dem Titel des Doktors der Osteopathie ab und haben alle Rechte eines ordentlichen Arztes.
In Europa existiert das gesetzlich verankerte Berufsbild bisher nur in England, obwohl Osteopathie kontinentweit praktiziert wird. Im Rahmen der Rechtstellung der nicht konventionellen Medizinrichtungen berät das europäische Parlament derzeit u.a. auch über die europaweite Anerkennung des Osteopathen.

In Deutschland befindet sich die Osteopathie zurzeit in der Etablierungsphase. Dementsprechend gibt es bisher nur wenige Schulen, die eine Ausbildung nach den Richtlinien des Berufsverbandes anbieten ( u.a. fünf Jahre Ausbildung ). Alle vom VOD anerkannten Schulen sind Mitglied einer autonomen Akademie (AOD), die sich v.a. um Qualitätssicherung in der Ausbildung bemüht.

Personen, die in ihrer osteopathischen Ausbildung eine wissenschaftliche Arbeit anfertigen, erhalten, sofern sie Mitglied im Verband der Osteopathen sind, die Erlaubnis die Marke D.O. zu führen, sich also „Osteopath D.O.” zu nennen.

Die Marken D.O. und M.R.O. gelten als die höchsten Qualitätsmerkmale, die der VOD seinen Mitgliedern vergeben kann.

Wann ist Osteopathie sinnvoll?

Grundsätzlich ist jedes lebendige Gewebe behandlungsfähig.

Das bedeutet, dass Menschen jeden Alters und jeder Konstitution erfolgreich behandelt werden können.

Der Osteopath konzentriert sich nicht auf die einzelne Krankheit, sondern auf den gesamten kranken Menschen (unter Anerkennung seiner individuellen Einzigartigkeiten). Werden so die Mobilitätsstörungen in den verschiedenen Geweben behoben, können sich damit verbundene schädliche Kompensationen und Symptome (Krankheiten) auflösen.

Wie steht die Osteopathie zur Schulmedizin?

Die Osteopathie stimmt in theoretischen Bereichen mit der Schulmedizin und anderen bekannten Naturwissenschaften (Anatomie, Physiologie, Physik, Chemie, etc.) weitestgehend überein.

Der Osteopath arbeitet dabei schwerpunktmäßig im Bereich funktioneller Störungen, von denen einige schon Symptome und Schmerzen beim Patienten verursachen können, obwohl sie aufgrund ihres feinstoffliches Charakters noch nicht durch die Medien der Schulmedizin (Blutuntersuchung, bildgebende Verfahren, etc.) zu erfassen sind.Der Osteopath bewegt sich somit in einem „Grenzbereich” der Schulmedizin und ist daher als umfassende Ergänzung derselben zu verstehen.

Wo sind die Grenzen der Osteopathie?

Schwere und akute Krankheiten (Krebs, massive seelische Störungen, akuter Herzinfarkt, schwere Infektionskrankheiten, etc.) gehören nicht zum Arbeitsbereich eines Osteopathen.