
Das Bundesgesundheitsministerium, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Stiftung Organtransplantation wollen mehr Menschenleben mit Organspenden retten. In Deutschland klafft eine riesige Lücke zwischen gut 1200 Menschen (Stand 2009), die nach ihrem Hirntod Organe gespendet haben, und rund 12.000 Schwerkranken auf der Warteliste. RHEINPFALZ-Redakteur Sebastian Böckmann sprach darüber mit Reinhard Wuttke, Oberarzt für Anästhesie und Transplantationsbeauftragter am Krankenhaus Hetzelstift.
Herr Wuttke, warum ist die Warteliste von Menschen, die auf ein Spenderorgan hoffen, so lang?
Das wissen wir nicht so recht - vor allem liegt das wohl an der mangelnden Spendebereitschaft. In Spanien, das ebenfalls eine erweiterte Zustimmungslösung ähnlich der deutschen hat, gibt es mehr als 30 potenzielle Organspender pro eine Million Einwohner. Wir kommen auf 15 pro eine Million, es sollten aber möglichst mehr als 20 sein.
Was bedeutet „erweiterte Zustimmungslösung"?
Dass Menschen zu Lebzeiten erklären, dass sie Organspender sein möchten. Dies wird mit einem Organspenderausweis dokumentiert, aber den hat nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung.
Kann also einem Menschen, der keinen Organspenderausweis hat, im plötzlichen Todesfall, beispielsweise nach einem Unfall, auch kein Organ entnommen werden?
Dann sind Ärzte in der schwierigen Lage, mit trauernden und geschockten Angehörigen über eine Organspende reden zu müssen. Dabei muss der Wille des Verstorbenen, nicht der der Angehörigen, ergründet werden. Damit sind viele Angehörige natürlich in so einer Situation überfordert.
Gibt es andere juristische Modelle als die erweiterte Zustimmungslösung?
Ja, in Österreich ist jeder möglicher Organspender, solange er zu Lebzeiten nichts anderes erklärt hat. Das ist die Widerspruchslösung. Aber das ist kein Allheilmittel, und die Ärzteschaft ist da auch durchaus skeptisch. Zu diesem ethischen Thema gibt es keine schnelle, einfache und einheitliche Meinung.
Was bedeutet es, auf der Warteliste für eine Organspende zu stehen?
Das ist eine Frage von Leben und Tod, wenn es um Organe wie Leber, Herz und Lunge geht, und im Falle einer Niere geht es um eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität. Leider sterben täglich drei bis vier Menschen auf der Warteliste.
Was kann man also tun, um die Bedingungen für Organspenden zu verbessern?
Man muss für die Organspende werben, vor allem in der Bevölkerung, aber auch bei Krankenhäusern.
Wie steht es denn im Hetzelstift, das ja 2007, wie damals berichtet, von der Deutschen Stiftung für Organspende ausgezeichnet worden ist, um die Organspenden?
Im Krankenhaus Hetzelstift hat es seit dem Jahr 2000 acht Organspender gegeben - hierbei konnten insgesamt 20 Organe entnommen und erfolgreich transplantiert werden, das letzte zu Beginn des Jahres. Die Organentnahme wird von Transplantationsmedizinern aus den Unikliniken Kaiserslautern oder Homburg vorgenommen, nachdem zuvor von unabhängigen Medizinern der Hirntod eindeutig festgestellt worden ist. (boe)