Lokal

Klosterleben im Wohnheim
Menschen: Vier Ordensschwestern aus Indien im Hetzelstift - Besondere Erfahrungen auf Palliativstation


Von Heike Klein


„Wir können hier ein richtiges Ordensleben führen", erklärt Oberin Lissy vom Herz-Jesu-Orden. Vor einhundert Jahren wurde die Glaubensgemeinschaft in Indien von Mathew Kadalikkatil gegründet. Kürzlich feierten daher die vier indischen Schwestern, die als katholische Krankenpflegerinnen im Hetzelstift arbeiten, mit einem Gottesdienst den Geburtstag ihres Ordens.


Seit 20 Jahren lebt Oberin Lissy in Deutschland, ebenso lange ist die 45-jährige Schwester Rosemaria dabei. Gerade haben die beiden 29-jährigen Schwestern Lizmaria und Ana ihre Ausbildung als Krankenpflegerinnen im Hetzelstift beendet. „Wir kamen direkt nach dem zweimonatigen Intensiv-Deutschkurs nach Neustadt und fühlten uns hier sofort sehr heimisch", erzählen die beiden Nonnen aus Südasien.


Die 44-jährige Oberin erinnert sich an ihre Anfänge in Deutschland: „Es war eine völlig andere Welt für uns. Die Sprache, die Kultur und dazu ein viel kälteres Klima mit Schnee brachten uns viel Neues." Auch die beiden älteren Nonnen lernten in Deutschland Krankenpflege und kamen über die Arbeit zu ihren ausgezeichneten Sprachkenntnissen.


Im Wohnheim des Hetzelstifts leben sie nun in Einzelzimmern und teilen sich ein weiteres Appartement zum Beten, Wohnen, Kochen und Essen. Ihr Tagesablauf ist eng am ursprünglichen Klosterleben orientiert. Aus Gebet und Besinnung schöpfen sie nach eigenem Empfinden Kraft für ihren Beruf.


„Die Heilige Messe ist unsere Lebensquelle, ohne die täglich Messe könnten wir nicht leben", erklärt Schwester Rosemaria. Sie arbeitet auf der Palliativ-Station und kommt täglich mit Sterbenden in Kontakt. „Diese Arbeit hat mein Leben verändert", stellt sie fest. Neben dem herzlichen Klima auf der Station, wo sie trotz aller Probleme jeden Tag gerne zur Arbeit gehe, sind es die Erfahrungen mit den Patienten, die ihr Leben beeinflussten. „Wir können nichts festhalten. Es zählt nichts in den letzten Tagen, was wir auf der Erde sind, oder was wir besitzen. Wir sind am Ende alle völlig gleich", betont sie. Das Leben sei keine endgültige Heimat, schließlich müsse jeder alles zurücklassen. Daher sei es umso wichtiger, dem Dasein einen Sinn zu geben.


Die vier Ordensschwestern haben ihren Sinn gefunden. Während des Gesprächs strahlen ihre Augen, sie sagen: „Jesus ist immer bei uns. Auch gerade jetzt in diesem Augenblick." Man spürt die Spiritualität des Moments und merkt, dass diese Frauen in der Krankenpflege am rechten Platz sind. Möglicherweise anders als ihre weltlichen Kollegen schleppen sie keine Alltagsprobleme mit sich. Die feste Struktur ihrer Tage lässt keinen Raum für private Sorgen. So können sie, wie Oberin Lissy erklärt, ihre ganze Kraft in den Beruf und die Berufung einfließen lassen und ganz nach dem bekannten Ordensleitbild leben: „Bete und arbeite!"

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.281
Datum: Freitag, den 03. Dezember 2010
Seite: Nr.14
"Deep-Link"-Referenznummer: '7055590'
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