| | LokalAlkohol wirkt WunderKleiner Eingriff mit Katheter statt großer Operation am offenen Herzen: Am Krankenhaus Hetzelstift werden Patienten mit krankhafter Verdickung des Herzmuskels mit hoch konzentriertem Alkohol behandelt. Die neue Methode geht schnell und ist schonend, sagt Chefarzt Hubertus von Korn. Beschwerden, die bis vor kurzem nur durch eine große Herzoperation nach Öffnung des Brustkorbs und mit Hilfe der Herz-Lungenmaschine gelindert werden konnten, können durch einen neuen, kleinen Eingriff wesentlich schonender beseitigt werden. Dabei geht es um die „Kardiomyopathie", eine meist erblich bedingte, krankhafte Verdickung des Gewebes in der Herzhauptkammer, erläutert Chefarzt Hubertus von Korn.
Diese Verdickung führe zu einem Stau im Blutkreislauf. Die Patienten litten oft schon bei geringen Belastungen unter starker Luftnot. „Sie klagen in der Regel auch über starke Schmerzen in der Brust oder leiden sogar unter Ohnmachtsanfällen", schildert von Korn. Selbst der plötzliche Herztod sei eine mögliche Folge.
Bisher mussten sich diese Patienten einer Herzoperation unterziehen, bei der das überschüssige Gewebe ausgeschält wurde. Nun können die Patienten wesentlich schonender behandelt werden. Nach Angaben von Korns wird dazu ein Katheter (ein dünnes Röhrchen) durch einen kleinen Schnitt in der Leiste oder einen Zugang über den Arm ins Herz geführt. Mit einem spezielle, hochprozentigen Alkohol wird dann ein Gefäß verödet, das das überschüssige Gewebe versorgt. Dieses stirbt ab, die Beschwerden bessern sich umgehend, sagt der Chefarzt. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung und dauert im Schnitt nur etwa eine Stunde. „Kleinerer Eingriff, schonende Behandlung, schnellere Genesung und dadurch kürzerer Klinikaufenthalt", fasst von Korn die Vorteile zusammen. Die Heilungschancen seien hervorragend. Für das Verfahren im Anfang 2008 eingerichteten Herzkatheterlabor des Hetzelstifts ist keine Zusatzausstattung erforderlich. Inzwischen seien bereits sechs Patienten mit der neuartigen Methode erfolgreich behandelt worden.
Nach von Korns Angaben haben etwa acht Prozent aller Patienten, die mit akuten Herzbeschwerden ins Hetzelstift eingeliefert werden, eine Kardiomyopathie. Weil in etwa der Hälfte der Fälle eine erbliche Belastung vorliegt, rät der Mediziner auch den Angehörigen, sich durch einen Herzultraschall vorbeugend untersuchen zu lassen. Dies gelte schon für Kinder. (boe)
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